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Gesellschaft & Satire · 23.10.2026 · 8 Min. Lesezeit

UFOs, Geheimakten und Bewusstsein: Dein Weltbild soll sich bitte anschnallen

Du wolltest einen Podcast über fliegende Untertassen hören. Knapp drei Stunden später fragst du dich, ob die Wirklichkeit vielleicht doch etwas mehr Funktionen hat, als in deiner Bedienungsanleitung stehen.

Robert Fleischer bei {ungeskriptet} by Ben beginnt mit UFOs und endet irgendwo dort, wo dein ordentlich sortierter Verstand hektisch nach zusätzlichen Regalfächern sucht. Dazwischen liegen Militärzeugen, Radarspuren, Whistleblower, Geheimprogramme, Bewusstseinsfragen und amerikanische Gesetzesvorhaben. Andere machen daraus zwölf Folgen, drei Dokumentationen und einen kostenpflichtigen Vertiefungskurs. Ben stellt Wasser hin und fragt weiter.

Genau deshalb ist {ungeskriptet} by Ben für mich der Podcast dieser Zeit. Hier darf ein Gedanke länger leben als bis zur nächsten Werbetrennung. Ein Gast kann ausholen, Zusammenhänge herstellen und auch einmal in eine Richtung abbiegen, für die im üblichen Medienverkehr vorsorglich die Zufahrt gesperrt wurde. Als Zuhörer darfst du mitdenken, statt bloß die vorportionierte Schlussfolgerung abzuholen.

Ein Sechzehnjähriger fragt nach. Danach wird es ein Beruf.

Fleischer erzählt, wie er als Jugendlicher Erich von Däniken in einer Hotellobby begegnete und ihn mit Fragen beschäftigte. Wenn an diesen Geschichten etwas dran sei, weshalb sehe man davon nichts in der Tagesschau? Nach seiner Erinnerung kam von Däniken irgendwann der Vorschlag, doch selbst Journalist zu werden. Manche Jugendliche bekommen einen Berufswunsch beim Schulpraktikum. Andere offenbar zwischen Hotellobby und Menschheitsrätsel.

Es folgen journalistische Stationen und immer wieder der Versuch, UFO-Themen unterzubringen. Fleischer schildert, wie er damit beim Fernsehen nicht weiterkam und schließlich eine eigene Plattform aufbaute. 2007 gründete er Exopolitik Deutschland. Aus einer Frage wurde eine Beschäftigung, die ihn nach eigener Aussage inzwischen seit 19 Jahren nicht mehr loslässt.

Schon diese Geschichte hat etwas herrlich Unbequemes. Während wir manchen Interessen ungefähr so lange nachgehen, bis das erste Passwort zurückgesetzt werden muss, bleibt da jemand fast zwei Jahrzehnte an einem Thema dran. Fleischer berichtet von Gesprächen mit Piloten, Militärangehörigen und Menschen, die Einblick in verborgene Vorgänge beanspruchen. Und Ben lässt sich ausführlich erzählen, was ihn daran so beschäftigt.

Erst einmal ein Tic Tac. Aber bitte in Flugzeugträgernähe.

Beim Tic-Tac-Vorfall vor der amerikanischen Westküste bekommt die Folge ordentlich Schub. Fleischer spricht über die Beobachtungen von Militärpiloten, Radarberichte und außergewöhnliche Flugbewegungen. Dazu kommen Überlegungen, welche Beschleunigung und welcher Energieaufwand hinter den beschriebenen Manövern stecken müssten. Du sitzt gemütlich da, während dein innerer Physiklehrer langsam den Rotstift fallen lässt.

Allein diese Passage liefert Stoff für ein langes Gespräch. Wer hat was beobachtet? Welche Daten gab es, wer konnte sie sehen und was wurde später darüber bekannt? Ben folgt diesen Fragen, und Fleischer bringt eine Geschichte nach der anderen mit. Die Vorstellung vom UFO-Thema als gelegentlichem Lichtpunkt über einem einsamen Maisfeld wird dabei ziemlich gründlich aus ihrer Komfortzone geschoben.

Besonders unterhaltsam ist der Größenunterschied zwischen dem besprochenen Geschehen und unserem normalen Alltag. Da werden Bewegungen geschildert, bei denen einem schon beim Zuhören schwindlig wird. Gleichzeitig schafft es das eigene Navigationsgerät gelegentlich nicht, zwischen einer Straße und einer Tiefgarageneinfahrt zu unterscheiden. Falls dort tatsächlich jemand technisch weiter sein sollte, hätte er bei unserer Ankunftsprognose jedenfalls noch Verbesserungspotenzial.

Die Menschheit fragt nach dem Universum. Die Verwaltung nach dem Eigentümer.

Dann geht es um Whistleblower, Geheimhaltung und den UAP Disclosure Act. Fleischer erzählt von einem amerikanischen Gesetzesvorhaben, das sich auch mit der staatlichen Inanspruchnahme möglicher Technologien unbekannter Herkunft beschäftigen sollte. Das muss man sich als Szene erst einmal vorstellen: Irgendwo könnte etwas liegen, das unser Verständnis der Welt umkrempelt, und Menschen diskutieren bereits darüber, wer Zugriff bekommen darf. Wenigstens bei den Besitzverhältnissen bleiben wir zuverlässig bodenständig.

Vielleicht wäre genau das der Moment, in dem Besucher von außerhalb wieder umdrehen. Sie kommen nach einer langen Reise an und werden zuerst gefragt, ob ihr Antrieb genehmigt ist und wer für die Landefläche haftet. Anschließend fehlt eine Unterschrift. Das erklärt möglicherweise noch kein UFO, aber einen längeren Aufenthalt im Orbit könnte man damit menschlich nachvollziehen.

Im Gespräch hängt daran die größere Frage, was Militärs und Geheimdienste wissen und wie viel davon öffentlich wird. Fleischer vertritt dazu klare Ansichten und erzählt von den Menschen und Vorgängen, die seine Sicht geprägt haben. Ben fragt nach, hakt ein und versucht, Ordnung in die vielen Verbindungen zu bringen. Für dich als Zuhörer bedeutet das: Die Folge hat gerade erst angefangen, ihre Türen aufzumachen.

Und plötzlich reicht „Raumschiff“ als Erklärung nicht mehr aus

Wer jetzt glaubt, die restliche Zeit werde über Antriebe und Metallteile gesprochen, darf sich überraschen lassen. Das Gespräch führt zu Remote Viewing, zur Benewitz-Affäre und zur Skinwalker Ranch. Aus der Frage nach unbekannten Objekten wird eine viel größere Beschäftigung mit ungewöhnlichen Erfahrungen. Der gedankliche Ausflug hat inzwischen die Bundesstraße verlassen.

Eine der Geschichten, die Fleischer wiedergibt, handelt von sechs Militärangehörigen, die nach einer gemeinsamen Beobachtung Unterschiedliches beschrieben haben sollen. Allein diese Erzählung beschäftigt einen länger als bis zum nächsten Schluck Kaffee. Was erleben Menschen in solchen Situationen? Und wie erzählen sie anschließend davon?

Das ist die Sorte Gespräch, bei der du nebenbei eigentlich die Küche aufräumen wolltest und irgendwann mit einem Teller in der Hand stehen bleibst. Eben warst du noch beim Flugzeugträger. Jetzt geht es um Wahrnehmung und die Möglichkeit, dass schon die Frage nach einem gewöhnlichen Flugobjekt viel zu eng sein könnte. Der Geschirrspüler muss kurz warten, die Wirklichkeit wird gerade kompliziert.

Quantenphysik hat den Chat betreten

Später sprechen Ben und Fleischer über das PEAR-Labor, über Bewusstsein und die Frage nach einem möglichen Einfluss des Geistes auf Materie. C. G. Jung und Wolfgang Pauli kommen ebenso vor wie Synchronizitäten und die Vorstellung einer tieferen Verbindung hinter scheinbar getrennten Ereignissen. Wer die Folge für einen gemütlichen Ausflug mit ein paar UFO-Anekdoten gehalten hat, steht jetzt mit sehr kleinem Rucksack vor einem ziemlich großen Gebirge. Genau diese Bandbreite macht sie so faszinierend.

Denn hier darf die Frage wachsen. Fleischer bringt unterschiedliche Ansätze und Deutungen mit, Ben versucht ihnen zu folgen und stellt seine eigenen Fragen dazu. Du hörst zwei Menschen dabei zu, wie sie ein Thema von mehreren Seiten anfassen. Manchmal möchte man dazwischenreden, manchmal zurückspulen und manchmal einfach hören, wohin der nächste Gedanke führt.

Wir sind es gewohnt, für alles möglichst schnell eine zuständige Schublade zu finden. Technik gehört dorthin, Religion dahin, Psychologie ins nächste Fach und merkwürdige Geschichten bitte ganz nach unten. Diese Folge zieht zwischendurch mehrere Laden gleichzeitig auf. Unser innerer Ordnungshüter findet das vermutlich weniger lustig als der neugierige Teil des Gehirns.

Engel, Dämonen und mögliche Mitbewohner

Auch religiöse Vorstellungen und sogenannte Krypto-Terrestrier werden zum Thema. Fleischer spricht über Deutungen, bei denen die möglichen Urheber solcher Erscheinungen ganz anders gedacht werden als die klassischen Besucher vom fernen Planeten. Damit bekommt schon die vermeintlich einfache Frage „Wo kommen die her?“ plötzlich mehrere zusätzliche Stockwerke. Der kleine grüne Mann aus dem Science-Fiction-Regal wirkt daneben fast wie die beruhigende Standardausführung.

Das ist für mich die große Stärke dieser Folge: Sie bleibt nicht bei der erwartbaren UFO-Debatte stehen. Sie führt vom beobachteten Licht über staatliche Geheimhaltung bis zu den Geschichten, mit denen Menschen seit Langem außergewöhnliche Erfahrungen beschreiben. Unterwegs geht es immer wieder auch um uns selbst. Um unser Selbstbild und darum, wie viel Platz wir darin für etwas haben, das wir noch nicht verstehen.

Und das alles bekommt Zeit. Niemand muss nach wenigen Minuten den einen Satz liefern, der noch schnell unter einen kurzen Ausschnitt passt. Man kann zuhören, staunen, innerlich widersprechen und den nächsten Gedanken trotzdem mitnehmen. Ein ziemlich angenehmer Zustand in einer Medienwelt, in der man sich oft schon empört haben soll, bevor der andere seinen Satz beendet hat.

Endlich wieder ein Gespräch, das etwas aufmacht

Nach knapp drei Stunden hast du eine Menge Stoff im Kopf. Robert Fleischer bringt seine langjährige Beschäftigung, seine Gespräche und seine Sicht auf das Phänomen mit. Ben gibt dem Ganzen den Raum, den es für diese Reise braucht. Zusammen entsteht eine Folge, die vom journalistischen Werdegang über Militär und Politik bis zu Bewusstsein und Religionsgeschichte reicht.

Für mich ist das eine klare Empfehlung. {ungeskriptet} by Ben zeigt hier wieder, wie unterhaltsam es sein kann, einem ausführlichen Gespräch wirklich zu folgen. Man braucht dafür ein wenig Zeit und die Bereitschaft, gedanklich mitzugehen. Als Gegenleistung bekommt man erheblich mehr als drei verwertbare Schlagwörter.

Also Folge einschalten, Kaffee bereitstellen und dem Weltbild sagen, es soll heute bitte nicht so eng sitzen. Es wird unterwegs wahrscheinlich mehrmals aufstehen müssen.

Und falls irgendwann tatsächlich jemand landet: Lasst ihn erst ausreden. Wir müssen ihm nicht nach drei Minuten erklären, wie das Universum funktioniert.

Die Folge mit Robert Fleischer bei {ungeskriptet} by Ben:
https://www.youtube.com/watch?v=Feuyd0BHKEQ

Im Gespräch

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